Bereits zu Steinzeiten versuchten Menschen, ihre Gesichter mit unterschiedlichen Motiven und Mustern zu verzieren. Das waren verschiedenartige Ornamente, Elemente aus Tier- und Pflanzenwelt, rituelle und spirituelle Symbole. Und das ist ein Zeichen dafür, dass der Mensch seit Jahrhunderten den Wunsch hegte, sein Äußeres zu schmücken und seine Individualität zu betonen.
Zu Anfängen haben sich vor allem Männer Gesichter mit Ruß und Blut angemalt, zur Tarnung bei der Jagd und zum Einschüchtern der Feinde im Krieg. Es waren bereits Paläolithik-Menschen (vor etwa 2,5 Millionen Jahren), die alten Kelten von 500 v. Chr., die Maori-Stämme und skandinavische Wikinger (VIII-XI Jahrhunderte), dann die Cherokee-Indianer usw.
tattoo-geschichte-1.png
Gesichtsbemalungen zu Tarnungs- und Einschüchterungszwecken
Im Laufe der Zeit wurden diesen Bemalungen auch andere, vor allem religiöse Bedeutungen zugeschrieben. Um farbige Pigmente zu bekommen, verwendete man Kräuterextrakte, blauen und roten Ton, zerquetschte Samen und dergleichen. Zur Erhöhung der Beständigkeit fing man an, die Farbstoffe unter die Haut zu bringen.
Hierzu wurde die Haut mit scharfen Tierzähnen oder Fischgräten punktiert und eingeschnitten, mit anschließendem Einreiben der Farben. Diese Methode war ziemlich traumatisch und hinterließ Narben, was jedoch zur weiteren Einschüchterungswirkung sehr erwünscht war.
tattoo-geschichte-2
Besondere Aufmerksamkeit schenkte man der Verzierung von weiblichen Gesichtern. So konnte man von Tätowierungen auf den Gesichtern von japanischen Frauen deren Familienstand und Kinderanzahl ablesen. Außerdem galt ein Motiv im Gesicht als Zeichen für deren Ausdauer und Fruchtbarkeit. Weitere Gründe der Gesichtsbemalung bei Frauen waren die Beschwörung von schützenden Geistern (persönliche Amulette) und die Anziehung von magischen Kräften für verschiedene Rituale.
tattoo-geschichte-3
Die ersten historischen Aufzeichnungen über Permanent Make Up gehen noch zu den Kleopatra-Zeiten zurück. Um die natürliche Schönheit der ägyptischen Königin zu betonen, griff man zu Bambusstäbchen und natürlichen Farbstoffen.
Im alten China wurde diese Bambusstäbchen-Methode für viel subtilere Zeichnungen verwendet. Die meisten Asiaten haben keine Körperbehaarung. Es fehlen ihnen oft auch Augenbrauen, Wimpern und Bart. Um diesen „Makel“ zu beheben, zeichneten sie sich die Brauen nach und zogen schwarze Lidstriche, um Wimpern vorzutäuschen.
tattoo-geschichte-4
Lippenbemalung

So entstanden die ersten Tätowierungen im Gesicht, die zwar mit anderen Methoden, aber mit ähnlichen Zielen wie auch heutzutage gemacht wurden.

Den Begriff „Permanent Make Up“ gab es damals natürlich nicht. Dieser entstand erst später zur Bezeichnung einer Tattoo-Technik in den USA und Taiwan, und kam erst 1984 nach Europa.
Im Laufe der Zeit wurden die laienhaften Zierversuche unserer Ahnen durch Permanent Make Up ersetzt. Bis zum Jahr 1891 pigmentierte man die Gesichtshaut ohne jegliche Geräte (sog. Handmethode). Ein Bündel von Nadeln wurde an einem Holzstab befestigt und damit perforierte man die Haut manuell mit 2-3 Einstichen pro Sekunde, danach wurden die Farbpigmente eingerieben. Natürlich dauerte eine solche Behandlung seht lange und erforderte sehr viel Erfahrung um gleichmäßige und präsentable Ergebnisse zu erzielen.
Diese veraltete Methode wird heutzutage als etwas Neues präsentiert und unter dem modischen Namen Microblading beworben (micro = mikro, blade = Klinge).
o-reilly_patent1
Das erste elektrische Tätowiergerät

Ein Durchbruch passierte 1981, als der Kosmetiker Samuel O’Reilly aus New York das erste elektrische Tätowiergerät entwickelte. Sein Gerät ist eine Modifikation vom Thomas Edison’s „Stencil Pen“, einem elektrischen Stab, welcher zum Vervielfältigen von Dokumenten erfunden wurde und nicht das Geringste mit Tätowierungen zu tun hatte.

Dieses revolutionäre Ereignis in der Tattoowelt führte später zum Separieren von Permanent Make Up zu einem eigenständigen Berufszweig in der Kosmetik-Branche.
Seit der Entwicklung von Tätowiermaschinen und den ersten synthetischen Pigmenteierfarben wagte man sich langsam daran, die Augen- und Mundpartie des Gesichts durch Hervorhebung der natürlichen Konturen ausdrucksvoller zu gestalten.
Die Behandlungen waren damals noch sehr schmerzhaft, dauerten stundenlang und führten zu wenig zufrieden stellenden Ergebnissen. Genau aus dieser Zeit stammen die meisten balkenartigen Augenbrauen, fleckige und wellige Lidstriche und dunkle, unnatürliche Lippenkonturen. Diese Pigmentierungen wurden meist durch Tätowierer durchgeführt und hatten mit der heutigen Permanent-Make-Up-Kunstwelt nicht viel zu tun.
Die damals noch groben und unhandlichen Tätowiermaschinen eigneten sich nämlich nicht zum Pigmentieren von dünnhäutigen, schmerzempfindlichen Gesichtsbereichen. Außerdem hat man damals noch ohne örtliche Betäubung gearbeitet, was die Behandlungen fast unerträglich machte. Die Haut schwoll stark an und blutete, so dass die Kunden tage- und manchmal sogar wochenlang nicht unter die Menschen gehen konnten, und so hielt sich die Popularität des Permanent Make-up noch in Grenzen.
Es war ein langer Weg von Versuch und Irrtum, von Experimenten und Forschungen, die im Endeffekt bis zur modernen Pigmentierkunst führten. Es wurden neue, bessere Geräte zum Pigmentieren von Gesichtshaut in Form von fein geschliffenen Nadeln und Nadelbündeln entwickelt. Mit diesen modernen Geräten ist es möglich, schmerzarm und auch ohne Betäubungsmittel zu arbeiten. Die Kunden bluten nicht mehr, weil viel oberflächlicher gearbeitet wird. Die Gefahr von Allergien und Infektionen besteht nicht mehr, weil die Pigmente steril und hypoallergen sind und ständig getestet und weiterentwickelt werden.
Heutzutage wirken die Ergebnisse äußerst natürlich und auf Wunsch beinahe unauffällig. Es gibt mittlerweile Farbpigmente für jeden Wunsch und Geschmack. Das Permanent Make-up wird immer populärer und erfreut sich weltweit immer größer werdender Beliebtheit.
(Copyright: Maria Prieb, Düsseldorf. Kopieren von Inhalten ist ausdrücklich untersagt.)